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18.10. 2019

Sicherer Gelenkersatz für Lausitzer Patienten

Künstliche Gelenke – aber sicher! Beim Ersatz von Knie-Gelenken wenden Chirurgen im Krankenhaus Senftenberg patientenspezifische Instrumente (PSI) für höchste Passgenauigkeit an. Doch auch die beste Gelenkprothese kann irgendwann Beschwerden machen: Wenn ein Austausch
nötig wird, setzen Spezialisten des Klinikums Niederlausitz ein spezielles Laborverfahren ein, um Infektionen erfolgreich zu bekämpfen und das Komplikationsrisiko deutlich zu senken.

Senftenberg. In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Frauen und Männer unter der Gelenkerkrankung Arthrose. Vor allem ältere Menschen sind dabei zum Teil täglich von starken Schmerzen in Knie, Hüfte oder Schulter betroffen. Wenn Medikamente und Physiotherapie die Beschwerden nicht mehr lindern können, ist der Ersatz der betroffenen Gelenke häufig unvermeidlich. Pro Jahr werden in Deutschland rund 370.000 künstliche Hüft- und Kniegelenke, sogenannte Endoprothesen, implantiert. Damit Patienten in Südbrandenburg nach dem Eingriff wieder ohne
Schmerzen aktiv ihren Alltag bewältigen können, wenden die Operateure am Krankenhausstandort Senftenberg seit rund drei Jahren bei der Implantation von künstlichen Kniegelenken patientenspezifische Instrumente (PSI) an.

Maßgeschneiderter Gelenkersatz
Patientenspezifische Instrumente berücksichtigen die individuelle Anatomie des Patienten. „Wir wollen die Situation im Knie wieder so herstellen, wie sie vor der Arthrose war“, erklärt Oberarzt Dr. Vojtech Skrha von der von Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Hand- und plastische Chirurgie. Um dies zu erreichen, fertigen die Mediziner vor dem Eingriff zunächst ein MRT des betroffenen Gelenks. Diese Bildgebung ist die Basis für den nächsten Schritt: Ein Computerprogramm errechnet ein 3-D-Modell des Knies.An dieser virtuellen Kopie des echten Gelenks können die
Senftenberger Spezialisten die Operation sehr genau vorausplanen und fertigen für dein Eingriff für jeden Patienten eine eigene Schnittschablone an.

Schneller Erfolg für Patienten
Die hohe Passgenauigkeit bringt zwei große Vorteile mit sich: Zum einen wird die Operationszeit verkürzt, zum anderen ist der Patient mit diesem maßgeschneiderten Eingriff schneller wieder auf den Beinen. „Bei Standard-Implantationen ist bekannt, dass die Knieprothesen zwar relativ zuverlässig funktionieren. Aber 15 bis 20 Prozent der Patienten sind nicht ganz zufrieden. Das ist zu viel. Daher wurde die Methode der patientenspezifischen Instrumente entwickelt, die die sehr unterschiedliche Anatomie der Kniegelenke genau berücksichtigt“, erläutert der Oberarzt und verweist auf die „sehr guten bis exzellenten Ergebnisse“, die das Klinikum Niederlausitz seit der Einführung der Methode verzeichnen kann.

Sicherheit bei Re-Implantationen
Im besten Fall sind Patienten mit ihren künstlichen Knie-, Hüft-, Schulter- oder Ellenbogengelenken jahrzehntelang beschwerdefrei aktiv. Manchmal allerdings treten Probleme auf. Wenn das künstliche Gelenk verschlissen ist, muss im Rahmen einer Re-Implantation ein neues eingesetzt
werden. „Ein neues Hüft-, Knie- oder Ellenbogengelenk sollte nicht ohne mikrobiologische Kontrolle des alten Gelenkersatzes implantiert werden: Für die Beschwerden mit dem alten Implantat kann neben dem Verschleiß auch eine Besiedlung mit Bakterien verantwortlich sein“, erklärt Dr.
Heinz Detlef Gremmels, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Labordiagnostik/Mikrobiologie am Klinikum Niederlausitz.

Gefährliche Erreger beseitigen
Falls das explantierte Gelenk mit Bakterien besiedelt war, würde die Infektion trotz Austausch innerhalb kürzester Zeit auch bei einem neuen Gelenk wieder Beschwerden machen. Daher setzt die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie gemeinsam mit dem Institut für Klinische Chemie
und Labordiagnostik des Klinikums Niederlausitz und in Kooperation mit der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) auf ein noch junges Verfahren, das längst nicht überall Standard ist: Die Sonikation. Bei dieser aufwendigen Methode werden die Bakterien
des alten Gelenks in einem Ultraschallbad im Labor im Krankenhaus Lauchhammer abgelöst. Mittels Massenspektrometrie ermitteln Mikrobiologen dann, ob das Implantat mit bestimmten Bakterien, sogenannten Biofilmbildnern, besiedelt war.
Fällt der Test positiv aus, wird der betroffene Patient im Klinikum Niederlausitz gezielt mit Antibiotika behandelt, bis die Bakterien erfolgreich bekämpft sind. Erst dann wird der neue Gelenkersatz eingesetzt. Eine erneute Infektion mit dieser Bakterienkultur kann ausgeschlossen werden.

Dauerhaft beschwerdefrei
„Vier von fünf der bisher untersuchten alten Implantate waren bakteriell besiedelt“, informiert Dr. Gremmels, der diese Methode seit Anfang dieses Jahres anwendet. Gemeinsam mit der BTU würden die Ergebnisse ausgewertet und die so entstandene Datenbasis für eine wissenschaftliche
Veröffentlichung vorbereitet. „Mit diesem Verfahren haben wir im Klinikum Niederlausitz Universitätsstandard eingeführt. Die Patienten werden optimal auf den Gelenkaustausch vorbereitet, das Risiko von Komplikationen mit dem neuen Gelenk ist deutlich reduziert“, zeigt sich Oberarzt Skrha von dem Verfahren überzeugt und ergänzt: „Die Wunde heilt schneller, die Patienten sind hinterher dauerhaft beschwerdefrei.“
 
 

Bilder

labor_1534Dr. Heinz-Detlef Gremmels und Juliane Schliebel (Institut für Klinische Chemie und Labordiagnostik/Mikrobiologie des Klinikums Niederlausitz) im Labor bei der Identifikation von gefährlichen Erregern: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
Skrha_0828Oberarzt Dr. Vojtech Skrha setzt bei Menschen, die ein künstliches Kniegelenk benötigen, auf eine innovative Methode, die die individuelle Anatomie des Patienten berücksichtigen.

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