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03.09. 2019

Haroon darf nach Hause

Verletzungen, die in Deutschland gut behandelbar sind, können für Kinder in anderen Teilen der Erde gravierende Folgen haben. Der achtjährige Haroon aus Afghanistan kann heute auch dank des Engagements von Ärzten und Pflegekräften des Klinikums Niederlausitz wieder schmerzfrei laufen. Nach über einem Jahr in Deutschland ist er nun zu seiner Familie zurückgekehrt.

Ein Waden- oder Schienbeinbruch ist bei Kindern hierzulande eine häufige Diagnose in unfallchirurgischen Kliniken und wird routiniert behandelt. In der Regel verheilt eine solche Fraktur innerhalb weniger Wochen. Dem afghanischen Jungen Haroon hingegen drohte mit dem Bruch des Schienbeins in seinem Heimatland eine Amputation: „Die medizinische Versorgung in Afghanistan ist seit Jahrzehnten gebeutelt. Viele Ärzte haben das Land verlassen. Komplexe Fälle, die bei uns gut behandelbar sind, stellen dort ein echtes Problem dar“, informiert Christian Heisig vom Friedensdorf International Berlin. Die Nicht-Regierungsorganisation hilft Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten. Haroon hatte Glück: Er wurde vom Roten Halbmond für eine Behandlung in Deutschland ausgewählt. Christian Heisig vermittelte ihn an das Klinikum Niederlausitz.

Heilung braucht Medizin und Menschlichkeit
Als Haroon in das Klinikum Niederlausitz kam, war sein Bruch bereits in einer anderen deutschen Klinik operativ mit einer Titanplatte versorgt wurden. Allerdings kam es während seines Rehabilitationsaufenthaltes im Friedensdorf International in Oberhausen zu einer Wundheilungsstörung. Es drohte eine Knochenentzündung. „Der Junge kam mit freiliegendem Knochen, freiliegender Platte und vereiterter Wunde zu uns. Wäre er nicht fachmännisch versorgt wurden, hätte er sein Bein verlieren können. Hier war neben der Unfallchirurgie unsere Kompetenz auf plastisch-chirurgischem Gebet gefragt. Wir konnten mit zwei plastischen Operationen und Hauttransplantationen einen Wundverschluss erreichen“, beschreibt Dr. Johannes Boehnke, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Hand und Plastische Chirurgie im Krankenhaus Senftenberg, den Fall.
Auskuriert hat sich Haroon in der Kinderklinik in Lauchhammer. „Medizinisch betrachtet war Haroons Verletzung für eine deutsche Klinik keine außergewöhnliche Herausforderung. Die Schwierigkeit bei einem Patienten wie ihm liegt darin, tausende Kilometer von zu Hause entfernt ein Vertrauensverhältnis zu Ärzten und Pflegekräften aufzubauen, das für Behandlung und Genesung notwendig ist. Die speziell geschulten Mitarbeiter der Kinderklinik haben es auf beeindruckende Weise geschafft, dem Jungen immer wieder Mut zu machen und ihn auf seinem schwierigen Weg sehr gut zu begleiten“, erinnert sich Hendrik Karpinski, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Lauchhammer, an den kleinen Patienten. Unterstützung erhielten die Kinderkrankenschwestern von einer ehrenamtlichen Helferin aus der Region, die den Jungen regelmäßig besuchte. „Haroon hat zu ihr schnell Vertrauen gefasst. Ich glaube, das hat ihm sehr geholfen, mit seinem Heimweh zurechtzukommen“, beschreibt Maren Fischer, kommissarische Pflegefachleitung der Kinderklinik, die nicht ganz alltägliche Situation mit einem Jungen, der ganz allein einen langen Krankenhausaufenthalt durchgestanden hat.
Insgesamt verbrachte Haroon aufgrund seiner Verletzung rund ein Jahr in Deutschland. Auf die Krankenhausaufenthalte folgte jeweils die Rehabilitation im Friedensdorf. Die Kinder lernen hier zum Beispiel das Laufen oder Greifen mit Prothesen, ebenso den Umgang mit Medikamenten, die sie einnehmen müssen. Und sie lernen, ohne Angst zu spielen. Haroon konnte mit einer neuen Chance auf eine bessere Zukunft Ende August 2019 zu seiner Familie zurückkehren.

Hunderte Kinder aus Krisengebieten werden pro Jahr in Deutschland behandelt
Dass Haroon wieder schmerzfrei laufen kann, verdankt er der Einzelfallhilfe des Friedensdorfs International. Die Diagnose von Ärzten in den Krisengebieten und die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familien entscheiden darüber, ob ein kleiner Patient im Friedensdorf aufgenommen werden kann. „Wenn eine medizinische Behandlung in der Heimat nicht möglich, kommt das Kind für die Einzelfallhilfe in Frage. Weitere Bedingungen sind, dass die Behandlung in Deutschland erfolgversprechend ist, es einen Klinikplatz gibt und die Familie des Kindes sich selbst keine Behandlung im Ausland leisten kann“, erklärt Christian Heisig die Auswahlkriterien. Dank der Unterstützung von Krankenhäusern und Kliniken für das Engagement des Friedensdorfes können rund 400 verletzte oder kranke Mädchen und Jungen jedes Jahr in Deutschland behandelt werden. „Die Ärzte der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Senftenberg sind sehr kompetent. Sie haben bereits vor zwei Jahren in Zusammenarbeit mit der Kinderklinik in Lauchhammer ein afghanisches Kind hervorragend versorgt“, erinnert sich Christian Heisig, und bedauert: „Leider stehen meist weniger Behandlungsplätze zur Verfügung als es Kinder gibt, die Hilfe brauchen.“
 
 

Bilder

HaroonEndlich wieder zu Hause: Haroon Ende August 2019 mit seinem Vater in Afghanistan.

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